Räume der Literatur

Das Teilprojekt „Räume der Literatur“ beschäftigt sich mit den beiden Räumen des Museums, die für diese Institution kennzeichnend sind: dem Archiv (Depot, Magazin) und der Ausstellung. Im Zentrum stehen Museen, die in ihren Ausstellungen versuchen, die vier musealen Grundaufgaben – sammeln, bewahren, forschen und ausstellen – für die Öffentlichkeit evident zu machen. Die Konzentration gilt den Ordnungen, Übersetzungsprozessen und Strukturmerkmalen bestandsbasierter und bestandsreflexiver Ausstellungen, wie sie sich beispielhaft in der aktuellen Dauerausstellung des Marbacher Literaturmuseums der Moderne findet.

Bekanntester Typ dieser Art des selbstreflexiven Exponierens ist das Schaudepot. Es tritt an, um die verborgene Seite des Museums – das Depot und die Arbeiten, die in ihm verrichtet werden – zu  exponieren, um das Museum nicht nur als ausstellende, sondern auch als sammelnde, forschende und bewahrende Institution im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Diese Art des expositorisch reflektierten Umgangs des Museums mit seinen Beständen und Arbeitsweisen hat Konjunktur. Seit das Museum of Anthropology in Vancouver 1976 sein visible storage eröffnete und damit die Idee des Schaudepots in die Gegenwart überführte, haben Museen verschiedener Fachrichtungen die Idee des sammlungszentrierten und bestandsreflexiven Exponierens übernommen.

Mit Blick auf das museale Spannungsfeld zwischen Archiv und Ausstellung widmet sich das Forschungsprojekt „Räume der Literatur“ den Fragen: Was zeichnet diese beiden Seiten des Museums aus? Welche epistemischen Potenziale besitzen sie? Wo gelingt die Übersetzung vom Sammlungs- in den Ausstellungsraum? Und wo scheitert sie? Mit diesen Leitfragen versucht die Analyse zu verstehen, wie das Museum seine Sammlungen in depotbezogenen Schauen zur Geltung bringen kann, wo es Dinge und archivarische Ordnungen in seinen Ausstellungen übersetzt, transformiert und verfälscht. Als empirische Basis dienen der Analyse neben der Marbacher Ausstellung weitere ethnologische, naturkundliche, historische oder kunsthistorische Schauen mit einer sammlungsbezogenen Exposition. Der Vergleich von Ausstellungen unterschiedlicher Fachrichtungen, die derselben bestandsorientierten Methode folgen, soll zu Erkenntnissen über die Möglichkeiten und Grenzen der unterschiedlichen Objektgattungen und ihrer Inszenierungen im musealen Raum führen.

LiMo Marbach